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Wenn Sie mit einer Maßnahme der Strafverfolgungsbehörden konfrontiert werden, ist überlegtes Handeln angeraten,
um den damit ohnehin schon entstandenen Schaden für die eigene Person gering zu halten. Erste Hilfe

Nebenklage

Die Möglichkeit der Nebenklage sichert den Opfern von Straftaten die Möglichkeit, sich aktiv am Hauptverfahren gegen den Angeklagten zu beteiligen.

Im Regelfall sind die Opfer oder von einer Straftat Betroffenen lediglich als Zeugen in das Verfahren einbezogen, und ihre Rolle beschränkt sich auf die Zeugenaussage, zu der sie – abgesehen von Ausnahmefällen – verpflichtet sind. Wenn sich das Opfer jedoch der durch die Staatsanwaltschaft erhobenen Anklage als Nebenkläger anschließt, gewährt das Gesetz ihm zahlreiche Rechte, allen voran das Recht, Einsicht in die Verfahrensakte zu nehmen, weiter ein Recht auf Anwesenheit während der gesamten Hauptverhandlung, das Recht, Richter wegen Befangenheit abzulehnen, das sehr bedeutende Recht, den Angeklagten selbst und andere Zeugen im Rahmen deren Vernehmung zu befragen, das Recht, ein Abschlussplädoyer zu halten, das Recht zur Stellung von Beweisanträgen und zum Einlegen von Rechtsmitteln (Berufung, Revision, Beschwerde) zu Lasten des Angeklagten.

Das Auftreten eines durch eine Straftat Verletzten als Nebenkläger bedeutet eine Abkehr von der reinen Opferrolle hin zu einer aktiven, prozessbeeinflussenden Rolle, und so eine Mitwirkung daran, den Täter einer gerechten Bestrafung zu unterwerfen. Die Nebenklagevertretung hat damit eine Genugtuungsfunktion für das Opfer.

In bestimmten Fällen gibt es einen gesetzlichen Anspruch des Opfers auf gerichtliche Bestellung eines Rechtsanwaltes als Beistand, so bei Delikten gegen die sexuelle Selbstbestimmung (sexuelle Nötigung, Vergewaltigung, sexueller Missbrauch) oder bei anderen Delikten (wie z.B. Körperverletzung), die im Mindestmaß mit einer Freiheitsstrafe von über einem Jahr bestraft bewehrt sind, aber auch immer dann, wenn die Sach- oder Rechtslage schwierig ist oder dem Opfer eine eigene Interessensvertretung nicht zumutbar ist. Der Rechtsanwalt wird in allen diesen Fällen aus der Staatskasse bezahlt. Selbst wenn keine Beiordnung durch das Gericht erfolgt, muss immer dann, wenn der Angeklagte rechtskräftig verurteilt wird, dieser die Anwaltskosten auch des Nebenklägers tragen.

Für das Opfer einer Straftat im Zeugenstand ist es von durchaus erheblicher Bedeutung, einen Anwalt als Beistand an seiner Seite zu haben, um es vor solchen Fragen anderer Prozessbeteiligter, allen voran dem oder den Verteidiger(n) des oder der Angeklagten, die mit dem eigentlichen Tathergang nichts zu tun haben und den Zeugen verunglimpfen oder in seiner Person diskreditieren sollen, um ihn als unglaubwürdig dastehen zu lassen, zu schützen und dem Opfer der Straftat damit doppelte Schmach zukommen zu lassen.

Davor bietet die Nebenklagevertretung durch einen strafrechtlich versierten Rechtsanwalt Schutz. Jeder Anwalt, der eine Nebenklagevertretung übernimmt, ist gehalten, auf das Opfer mit all seinen Traumata und Emotionen, die es mit dem Geschehenen verbindet, einzugehen und ihm bei dem nochmaligen Durchleiden der Tat durch das gerichtliche Strafverfahren vertrauensvoll und schützend zur Seite zu stehen.

Martin Barduhn
Rechtsanwalt